Keupstraße: Gedenken an NSU-Opfer ohne Mahnmal – Politiker in der Pflicht!
Mülheim gedenkt den 21. Jahrestag des rassistisch motivierten NSU-Anschlags in der Keupstraße mit anhaltenden Forderungen nach einem Mahnmal.

Keupstraße: Gedenken an NSU-Opfer ohne Mahnmal – Politiker in der Pflicht!
Am 10. Juni 2025, einen Tag nach dem 21. Jahrestag des verheerenden Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße, versammelten sich über 250 Menschen, um der Opfer zu gedenken. Der Anschlag, der am 9. Juni 2004 verübt wurde und 22 Menschen verletzte, darunter vier schwer, wird der rechtsterroristischen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zugeschrieben. Bei der Gedenkveranstaltung legten die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der türkische Generalkonsul Hüseyin Kantem Kränze am Tatort nieder. Dies zeigt, wie tief der Schmerz über dieses Ereignis noch immer in der Gemeinschaft verwurzelt ist, in der viele Menschen mit türkischem Migrationshintergrund wohnen und arbeiten.
Wie ksta.de berichtet, müssen sich die Überlebenden und Angehörigen der Opfer immer wieder mit den traumatischen Erinnerungen an den Anschlag auseinandersetzen, der in der Keupstraße, einem Zentrum des türkischen Geschäftslebens, stattfand. Mohammet Ayazgün, ein Überlebender, wandte sich während der Zeremonie an die Anwesenden und sprach im Namen der Betroffenen. Seine Botschaft war klar: „Wir sind nicht still.“
Das Gedenken an die Vergangenheit
Der Anschlag wurde mit einer ferngezündeten Nagelbombe verübt, die aus einer Butan-Gasflasche, 5,5 kg Schwarzpulver und 800 Zimmermannsnägeln bestand. Diese 18 kg schwere Bombe verursachte nicht nur physische, sondern auch immense psychische Schäden. Der Friseursalon Kuaför Özcan und zahlreiche Geschäfte sowie parkende Autos wurden erheblich beschädigt. Das Geschehen wird von vielen als „zweiter Anschlag“ betrachtet, da die Polizei zunächst die Opfer selbst verdächtigte, statt den rassistischen Hintergrund zu erkennen. Erst 2011 wurde der rechtsextremistische Ursprung des Anschlags durch ein Bekennervideo des NSU klar.
Ein Thema, das die Gespräche bei der Gedenkveranstaltung prägte, war die lange diskutierte Errichtung eines Mahnmals in der Keupstraße. Seit über einem Jahrzehnt kämpft die Interessengemeinschaft (IG) Keupstraße dafür. Im Jahr 2016 wurde ein Entwurf für das Mahnmal ausgewählt, aber trotz eines seit 2021 vorhandenen Grundstücks ist eine Realisierung bislang ausgeblieben. Der Vorsitzende der IG, Bünyamin Köksoy, forderte, endlich einen Ort der Erinnerung für die Betroffenen zu schaffen. Oberbürgermeisterin Reker äußerte den Wunsch, dass das Mahnmal bald realisiert wird, und betonte, dass das Grundstück in Privatbesitz sei und der Abriss des bestehenden Gebäudes in diesem Jahr beginnen soll.
Die Wunden sind tief
Die Diskussion um ein Mahnmal spiegelt wider, wie wichtig es ist, den Opfern und ihren Angehörigen endlich die Anerkennung und den Raum zu geben, den sie verdienen. Der Generalkonsul Hüseyin Kantem wies darauf hin, dass die Keupstraße inzwischen zu einem Symbol des Widerstands geworden ist. Er lobte die Hartnäckigkeit der Gemeinschaft, trotz der traumatischen Erfahrungen auf eine positive Zukunft hinzuarbeiten.
Trotz der Fortschritte, die in der Aufarbeitung des NSU-Komplexes gemacht wurden, bleibt die Frage der Erkenntnis und des Respekts für die Opfer und ihre Familien entscheidend. Der Nagelbombenanschlag in der Keupstraße ist ein Mahnmal für die Gefahren, die Vorurteile und Rassismus mit sich bringen können. Das Gedenken an die Opfer und Überlebenden ist ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu einer respektvollen und gerechten Gesellschaft.