In Köln-Weiß hat sich ein neuer Ort der Begegnung etabliert: Ein Bücherschrank, initiiert von Michael Brodesser, bietet nicht nur Platz für Bücher, sondern auch für Kommunikation und Austausch unter den Anwohnern. Der Bücherschrank, der an einem Parkplatz steht, der teilweise für den Sparkassenbus genutzt wird, wurde von Brodesser aus eigener Tasche finanziert und besteht aus einem stabilen Modell von Urbanlife. Ursprünglich plante Brodesser einen Marktplatz sowie eine Begegnungsstätte, musste jedoch aufgrund von Differenzen mit der Stadt seine Pläne anpassen. Der Parkplatz wird nun sukzessive zum „Ortsmittelpunkt“ umgestaltet und der Bücherschrank stellt einen wichtigen ersten Schritt dar. Die Finanzierung des Projekts wurde zu 50 Prozent durch die Weißer Rheinbogenstiftung unterstützt, die vor 16 Jahren gegründet wurde, um der Region Hilfe und Perspektiven zu bieten. Dies ist der dritte Bücherschrank, den die Stiftung mitfinanziert, nachdem bereits zwei Bücherschränke für das Ahrtal eingerichtet wurden.

Die Weißer Rheinbogenstiftung hat sich in den letzten Jahren finanziell gut entwickelt, auch durch Erbnachlässe. Im vergangenen Jahr wurden 76.000 Euro an Spenden in verschiedene Projekte weitergegeben, darunter auch 8.000 Euro für den neuen Bücherschrank, der sich als gute Investition herausstellt. Die Anwohner nehmen das Angebot gut an; der Schrank ist ständig gefüllt und wird von der Gemeinschaft gepflegt. Die Initiative wird von der Stiftung in Kooperation mit Bestattung Brodesser getragen und verfolgt das Konzept: „Nimm dir eines mit, bring ein anderes vorbei“. So wird das Teilen von Büchern gefördert und eine lebendige Nachbarschaft entsteht.

Köln-Weiß wird zur neuen Dorfmitte

Der Bücherschrank ist Teil eines größeren Konzepts, das Köln-Weiß zunehmend zu einer neuen Dorfmitte entwickeln soll. Hierbei spielt die Sparkasse mit ihrem wöchentlichen Stopp „Auf der Ruhr“ eine zentrale Rolle. Der neue Bücherschrank soll nicht nur den Austausch von Büchern ermöglichen, sondern auch literarische Gespräche fördern und die Gemeinschaft stärken. Das Ziel ist klar: Teilen statt besitzen, lesen statt vergessen. Diese Philosophie fördert Neugier, Gemeinschaft, Herz und Geist in der Nachbarschaft.

Öffentliche Bücherschränke sind mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet und die Bürgerstiftung Köln hat das Projekt „Eselsohr“ ins Leben gerufen, um diese Initiativen weiter zu unterstützen. Die Stiftung kümmert sich um die Genehmigung zur Aufstellung der Bücherschränke und lokale Stadtteilinitiativen, Bürgervereine sowie Schulen übernehmen die Patenschaft. Dabei ist es wichtig, dass nur gelesene Bücher eingestellt werden und beschädigte Exemplare nicht in die Schränke gelangen. Für größere Mengen an Büchern gibt es Alternativen wie die Emmaus Gemeinschaft Köln, die gerne größere Spenden annimmt.

In Köln-Weiß zeigt sich, wie durch ehrenamtliches Engagement und die Unterstützung von Stiftungen ein lebendiger Austausch unter den Bürgern gefördert werden kann. Die Projekte der Weißer Rheinbogenstiftung umfassen auch Gewalt- und Mobbingprävention sowie Selbstbehauptungskurse in Kitas und Grundschulen, was die umfassenden Bemühungen um eine positive Entwicklung in der Region unterstreicht. Mit dem Bücherschrank wird nicht nur Wissen geteilt, sondern auch ein Stück Gemeinschaft geschaffen.

Für Interessierte, die mehr über das Konzept und die Modelle der Bücherschränke erfahren möchten, gibt es die Möglichkeit, diese in der Wachsfabrik in Sürth und an offenen Ateliertagen zu besichtigen. Die kommenden Veranstaltungen sind eine Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen und Teil dieser positiven Entwicklung in Köln-Weiß zu werden.