Im Kölner Dom fand am Dienstag der zweiten Fastenwoche eine besondere Kapitelsmesse statt, bei der Domkapitular Markus Hofmann eine eindrucksvolle Predigt hielt. In seiner Ansprache betonte er die Notwendigkeit der Umkehr und stellte klar, dass der Ruf zur Umkehr auch die Glaubwürdigkeit des Rufenden umfasst. Jesus, so Hofmann, beantwortete diese Frage durch sein Leben und sagte: „Ich bin unter euch wie einer, der dient.“ Diese Worte laden dazu ein, über den radikalen Dienst nachzudenken, den Jesus durch seine Menschwerdung und seinen Kreuzestod verkörpert. Die Fußwaschung, die Jesus vollzog, ist sowohl ein alltäglicher Liebesdienst als auch ein Hinweis auf die Eucharistie, in der Christus sich selbst schenkt.
Hofmann führte weiter aus, dass Jesus seinen Jüngern ein Beispiel gegeben hat, um auch selbst so zu handeln. Der christliche Glaube umfasst nicht nur den Empfang der Liebe Gottes, sondern fordert dazu auf, aktiv zu werden und nicht nur als „Endverbraucher seiner Liebe“ zu bleiben. Wer die Kommunion empfängt, erhält Kraft, auch in schwierigen Zeiten Gutes zu tun. Der einfache Satz: „Herr, mir fällt es schwer, hilf mir dabei,“ kann im Gebet eine große Bedeutung entfalten.
Fußwaschung als Zeichen der Demut
Die Fußwaschung hat eine lange Tradition in der christlichen Liturgie, insbesondere am Gründonnerstag, wo sie in vielen katholischen Kirchengemeinden praktiziert wird. Diese rituelle Handlung symbolisiert Demut, Nähe und den Dienst an anderen. Historisch war die Fußwaschung in der Antike üblich, da die Menschen oft über staubige Wege mit Sandalen liefen. Jesus wusch beim letzten Abendmahl seinen Jüngern die Füße, um zu verdeutlichen, dass diejenigen, die führen, auch dienen müssen. In der katholischen Kirche wäscht der Priester in der Regel zwölf Gemeindemitgliedern die Füße, angelehnt an die zwölf Jünger.
In den letzten Jahren hat Papst Franziskus den Ritus revolutioniert, indem er 2013 erstmals Häftlingen die Füße wusch, darunter auch Frauen. Dies stellte einen Bruch mit der Tradition dar und öffnete die Tür für eine breitere Teilnahme, die seit 2016 offiziell auch Frauen umfasst. In den folgenden Jahren wusch er auch Geflüchteten und Menschen anderer Religionen die Füße, was die symbolische Botschaft der Gleichwürdigkeit, des Respekts und der Menschlichkeit weiter verstärkte.
Der historische Kontext der Fußwaschung
Die Fußwaschung, auch Mandatum genannt, ist ein starkes Symbol für Gastfreundschaft und wurde bereits im Alten Testament und im Johannesevangelium erwähnt. Während des letzten Abendmahls wusch Jesus seinen Jüngern die Füße, eine Geste, die auch Petrus zunächst ablehnte, doch schließlich akzeptierte. Der Ritus wurde von den Aposteln und im Urchristentum praktiziert und ist seit 1956 Teil der Messfeier vom letzten Abendmahl in der katholischen Kirche.
Die Fußwaschung hat sich im Laufe der Zeit verändert und verschiedene Formen angenommen, selbst im Protestantismus wird sie von einigen Gruppen praktiziert, darunter die Siebenten-Tags-Adventisten und Mennoniten. Diese Geste, die in einer individualistischen und wettbewerbsorientierten Welt provokant wirkt, schafft Nähe, überwindet Hierarchien und regt zum Nachdenken über zwischenmenschliche Beziehungen an.