In der zweiten Fastenwoche fand im Kölner Dom eine bewegende Kapitelsmesse statt, in der Domkapitular Markus Hofmann über die tiefgreifende Barmherzigkeit Gottes sprach. Die Botschaft, die er verkündete, war nicht nur für die Gläubigen an diesem Tag von Bedeutung, sondern hat auch weitreichende Implikationen für unser tägliches Leben. Hofmann betonte, dass im Hebräischen Barmherzigkeit als „Rachamim“ bezeichnet wird, was auf den „Mutterschoß“ verweist. Dies führt uns zu der tiefen Erkenntnis, dass Gott uns wie eine Mutter liebt und jeden Menschen mehr liebt als die beste Mutter.
In seiner Predigt stellte Hofmann klar, dass jeder Mensch von Gott unmittelbar gewollt und bejaht ist, unabhängig von den Umständen seiner Zeugung. Diese zentrale Botschaft des Glaubens der Kirche, dass Gott zu jedem Menschenkind „Ja“ sagt, legt den Grundstein für ein Leben in Barmherzigkeit. Die Worte Jesu, der uns auffordert, „barmherzig zu sein, wie auch euer Vater barmherzig ist“, sollen uns im Alltag begleiten und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen spürbar werden.
Barmherzigkeit im Beispiel des Pfarrers von Ars
Ein Beispiel für gelebte Barmherzigkeit finden wir im Leben des heiligen Johannes-Maria Vianney, bekannt als der Pfarrer von Ars. Er lebte von 1786 bis 1859 und war ein bedeutender Priester, dessen Name oft mit seinem Amt verbunden ist. Vianney wirkte in einer Zeit des Rationalismus, wo er für seine tiefgehende Frömmigkeit bekannt wurde. Trotz seiner theologischen Ungebildetheit vor seiner Priesterweihe übernahm er die Seelsorge in einem Dorf mit einer verwahrlosten Kirche. Dort begegnete er einer Bevölkerung, die als wenig gläubig galt, und setzte auf Gebet, Fasten und Vertrauen in die Gottesmutter Maria, um die Herzen der Menschen zu erreichen.
Seine besondere Verehrung der Gottesmutter führte dazu, dass er die Namen seiner Pfarrkinder in ein silbernes Herz, das er der Marienstatue widmete, eintrug. Vianney war bekannt für seine Beichtpraxis; er hörte bis zu 18 Stunden täglich Beichte und half Menschen aller Altersgruppen und Berufe, selbst Prälaten und seinem eigenen Bischof, bei der Beichte. Trotz seiner Schwächen und Versuchungen wurde er ein gefragter Beichtvater, der viele reumütige Sünder zu sich zog, bis zu seinem Sterbebett.
Die transformative Kraft der Barmherzigkeit
Barmherzigkeit wird nicht nur als Gefühl beschrieben, sondern als transformative Kraft, die Schmerz und Konflikte überwinden kann. Diese göttliche Eigenschaft zeigt sich sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Ein Zeichen der Barmherzigkeit im Alten Testament ist, dass Gott Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit, trotz ihrer Untreue. Im Neuen Testament verkörpert Jesus die Barmherzigkeit, insbesondere im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32). Der Papst Franziskus hat die Barmherzigkeit zu einem zentralen Thema seines Pontifikats gemacht und das Heilige Jahr der Barmherzigkeit (2015-2016) ausgerufen.
Die Barmherzigkeit Gottes hat viele Gesichter und zeigt sich in konkreten Gesten wie Versöhnung und sozialem Engagement. Diese lebendige Realität gibt Hoffnung und lädt zur Vergebung und zu einem Neuanfang ein. Um die Barmherzigkeit in unserem Leben zu leben, sollten wir die eigene Notwendigkeit der Barmherzigkeit anerkennen, Barmherzigkeit gegenüber anderen üben und im Gebet um Führung bitten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Predigt von Domkapitular Markus Hofmann im Kölner Dom nicht nur eine Ermutigung zur Barmherzigkeit darstellt, sondern auch einen tiefen Einblick in die biblische und historische Dimension dieser göttlichen Eigenschaft bietet. Denn, wie es im Glauben der Kirche verankert ist, ist Barmherzigkeit die Grundlage für ein erfülltes und gerechtes Leben.