In der Erlöserkirche Weidenpesch läuft zurzeit eine spannende Ausstellung des Künstlers Wolfgang Heuwinkel, die unter dem Titel „Begegnung, Dialog und Verwandlungen“ steht. Die Pfarrerin Susanne Zimmermann hat diese Arbeiten aus theologischer Sicht interpretiert, wobei sie Themen wie Werden, Wachsen und Vergehen anspricht. Die Ausstellung ist während der Fastenzeit zu sehen und bietet den Besuchern die Möglichkeit, tiefere Einblicke in Heuwinkels Kunst zu gewinnen. Die Exponate sind hinter einem feinen Papiervorhang inszeniert, der zur Interaktion einlädt, wobei die Gäste jedoch darum gebeten werden, die Kunstwerke nicht zu berühren.
Ein besonderes Highlight ist der Papierstapel auf dem Altar, der wie ein freigelegtes Buch aussieht und Menschheitsgeschichten symbolisiert. Heuwinkels Werke, darunter durchlöcherte Papierrohre, erinnern an biblische Salzsäulen, und ein bearbeiteter Papierstapel mit einem Löcherquadrat zeigt seine Innovationskraft. Heuwinkel selbst beschreibt seine Arbeiten als eng mit der Natur verbunden und thematisiert den Prozess des Werdens und Vergehens. Seine künstlerische Wende von der Aquarellmalerei zu Papierskulpturen wurde durch seine Erfahrungen auf Lanzarote inspiriert.
Interaktive Kunst und Licht-Klang-Installation
Zur Eröffnung der Ausstellung gab es eine beeindruckende Kunst-Licht-Klanginstallation in Zusammenarbeit mit dem Klangkünstler Konstantinos Angelos Gavrias. Diese Installation kombinierte Lichtstrahlen und Klang und sorgte für ein unvergessliches Erlebnis für die Besucher. Jeder Besucher erhielt einen Schnipsel des Zellstoffes, den Heuwinkel für seine Skulpturen verwendet, was die Interaktion und das Gefühl der Verbundenheit zur Kunst noch verstärkte.
Heuwinkels Kunst erstreckt sich jedoch nicht nur auf diese Ausstellung in Weidenpesch. Im Basement 16 in Bergisch Gladbach wird eine weitere Ausstellung mit dem Titel „EinBlick in die Seele des Papiers“ gezeigt, die sich mit seinen Werken über drei Dekaden beschäftigt. Galeristin Marlis Sauer hebt die Bedeutung heimischer Künstler hervor, während Kurator Peter Köster, ein Bonner Kulturjournalist, die Vielfalt von Heuwinkels Früh-, Mittel- und Spätwerk präsentiert. Die Ausstellung zeigt unter anderem ein Aquarell aus den 60ern und eine faszinierende Island-Serie, die Erinnerungen des Künstlers thematisiert.
Nachhaltigkeit in der Kunst
Heuwinkel, geboren 1938 in Detmold, hat sich zeitlebens mit verschiedenen Materialien und Techniken auseinandergesetzt. Er experimentiert mit Zellstoff und sucht ständig nach neuen Formsprachen und Kontexten. Ein bemerkenswertes Experiment beinhaltete das Schneiden eines Lochs in einen Zellstoffblock, in das er eine Kiefer pflanzte, um den Bezug zur Nachhaltigkeit herzustellen. Seine Techniken des Faltens, Reißens und Trocknens ergeben einzigartige Kunstwerke, die auch in zahlreichen Institutionen weltweit ausgestellt wurden.
Die aktuelle Ausstellung in der Erlöserkirche und die kommende in Bergisch Gladbach sind nur einige Beispiele für Heuwinkels Schaffen, das nicht nur die Kunstszene in Köln bereichert, sondern auch einen wichtigen Diskurs über Nachhaltigkeit und ökologische Zusammenhänge anstößt. Seine Arbeiten werden bald in einer eigenen Ausstellung in der Zanders Papierfabrik gezeigt, was ein weiterer Schritt in seiner langen Karriere ist, die durch zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland geprägt ist. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diese einzigartigen Erlebnisse nicht entgehen lassen.
Weitere Informationen zur Ausstellung in der Erlöserkirche finden Sie auch auf der Webseite der Kirche Köln. Die Ausstellung im Basement 16 ist ebenfalls unter in-gl.de zu finden. Wolfgang Heuwinkel ist zudem im Allgemeinen Künstlerlexikon gelistet und lebt in Bergisch Gladbach, wo er weiterhin aktiv an seinen Projekten arbeitet.