In der Trakehner Straße in Köln-Niehl, einer ruhigen Straße gesäumt von Einfamilienhäusern, lebt die 94-jährige Rena Krebs in einem besonders gestalteten Haus. Dieses wurde 1974 von dem Architekten Herbert Tabeling entworfen und zeichnet sich durch seine Flexibilität aus, die es den Bewohner:innen ermöglicht, sich an verschiedene Lebensphasen anzupassen. Rena Krebs, die in ihrem Wohnzimmer mit großen Fenstern, Bücherregalen, Klinkerwänden sowie Kunstwerken und Fotografien lebt, ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die mit einem Schaukelstuhl, Strickzeug, Telefon und iPad umgeben ist.
Rena Krebs war 69 Jahre lang mit Peter Krebs verheiratet, der 2016 verstarb. Peter Krebs war Mediziner und Chefarzt am St.-Agatha-Krankenhaus in Köln-Niehl. Gemeinsam hatten sie vier Töchter, sieben Enkel und sieben Urenkel. Rena Krebs hat sich bereits in jüngeren Jahren, mit 42, für eine Ausbildung in Themenzentrierter Interaktion (TZI) entschieden und arbeitete erfolgreich in Coaching und Krisenintervention.
Ein Gesprächskreis für die Nachbarschaft
Seit 27 Jahren findet in ihrem Wohnzimmer der Trakehner Gesprächskreis statt. Die Treffen, die aus dem Wunsch nach einem strukturierten Austausch entstanden sind, bringen Nachbarn und Freunde zusammen. Sie beginnen mit einem gemeinsamen Essen und setzen sich danach mit unterschiedlichen Themen auseinander. Rena Krebs leitet diese Abende und sorgt dafür, dass die Teilnehmer:innen die vereinbarten Regeln einhalten. Der Gesprächskreis fördert partielle Macht und Handlungsfähigkeit, anstatt einen Konsens zu suchen.
Die Bedeutung solcher Gemeinschaftsaktivitäten wird durch die aktuelle Situation in Deutschland unterstrichen. Etwa jeder zehnte ältere Mensch ist von Einsamkeit betroffen, und im Alter nimmt die Anzahl sozialer Beziehungen häufig ab. Einsamkeit kann sich negativ auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirken und wird von vielen als belastend empfunden. Es ist ein subjektives Gefühl, das oft eine Kluft zwischen den sozialen Bedürfnissen und den tatsächlichen Beziehungen beschreibt (Quelle).
Engagement gegen Einsamkeit
Rena Krebs engagiert sich nicht nur in ihrem Gesprächskreis, sondern auch bei Silbernetz e. V., einer Organisation, die sich gegen Einsamkeit einsetzt. Sie führt wöchentliche Telefonate mit einsamen Menschen und bietet ihnen einen wertvollen sozialen Kontakt. Diese Initiative ist besonders wichtig, da viele ältere Menschen aufgrund gesundheitlicher oder mobilitätsbedingter Einschränkungen Schwierigkeiten haben, neue Kontakte zu knüpfen. Laut einer Forsa-Umfrage aus 2021 fühlten sich mehr als 22 % der Personen ab 75 Jahren häufig oder hin und wieder einsam (Quelle).
Der Gesprächskreis von Rena Krebs wird als Modell für andere verstanden, um Verantwortung für Gespräche zu übernehmen und soziale Isolation zu verringern. Die Unsicherheit, die Rena Krebs über die Zukunft des Gesprächskreises nach ihrem Weggang äußert, zeigt, wie wichtig solche Initiativen sind, um das soziale Miteinander in der Nachbarschaft zu fördern. Es ist von großer Bedeutung, dass solche Projekte fortgeführt werden, um der Einsamkeit in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.