In den letzten Jahren hat die Edith-Stein-Kapelle in Köln-Bilderstöckchen nicht nur als Ort der Andacht, sondern auch als kultureller und sozialer Treffpunkt an Bedeutung gewonnen. Klaus Nelißen, Pastoralreferent des Bistums Münster und stellvertretender Rundfunkbeauftragter für den WDR, beschreibt in einem bewegenden Artikel, wie er die Kapelle während des ersten Corona-Lockdowns im März 2021 entdeckte. Diese besondere Kapelle, die sich in einem sozialen Wohnbaugebiet befindet, ist offen für alle und bietet einen Raum der Stille und Reflexion. Der Innenraum beeindruckt mit kleinen bunten Fenstern und einer Decke, die das Leben Jesu in lebhaften Farben darstellt. Hier wird Kindlichkeit mit ernsthaften Themen verwoben, wie dem Gedenken an die Shoa, was die Kapelle zu einem Ort der tiefen Bedeutung macht.
Die Kapelle ist nach Edith Stein benannt, die 1942 ermordet wurde, und enthält Darstellungen von ihr sowie Symbole des Holocaust. Nelißen reflektiert über die Worte, die in der Kapelle zu finden sind, und erkennt sie als Maßstab für den Glauben. Besonders berührt ihn ein Totenbuch, das die Namen der Menschen verzeichnet, die mit der Kapelle verbunden sind. Die Kapelle steht nicht nur für Spiritualität, sondern auch für eine Gemeinschaft, die Akzeptanz und Authentizität fördert. Der Autor plant sogar eine Social-Media-Aktion zur Verbreitung der Kunst von Bruder Lukas Ruegenberg, dem Gründer der Kapelle, dessen Werk und Leben auch heute noch inspirieren.
Bruder Lukas Ruegenberg: Ein Leben für die Gemeinschaft
Bruder Lukas Ruegenberg, geboren 1928 in Berlin, war ein Benediktinermönch aus der Abtei Maria Laach. Er war nicht nur ein Künstler, sondern auch ein leidenschaftlicher Sozialarbeiter, der 1972 auf Bitten der Stadt Köln die Jugendarbeit in Köln-Bilderstöckchen initiierte. Seine Vision führte zur Gründung des Kellerladens, einem Selbsthilfeprojekt, das junge Menschen in Arbeit bringt und zahlreiche soziale Dienstleistungen anbietet. Der Kellerladen ist ein Ort der Begegnung und Unterstützung und umfasst unter anderem ein Arbeitslosenzentrum und eine wöchentliche Lebensmittelausgabe.
Besonders bemerkenswert ist das Herzstück des Kellerladens, ein Eisenbahnwaggon, der 1986 auf Initiative von Bruder Lukas an seinen Standort gebracht wurde. Dieser Waggon steht direkt neben der Edith-Stein-Kapelle und symbolisiert die enge Verbindung zwischen der Kapelle und den sozialen Projekten, die Bruder Lukas ins Leben rief. Neben seiner sozialen Arbeit widmete sich Bruder Lukas auch der Malerei und gestaltete Fenster und Decken in verschiedenen Kirchen. Seine Werke sind durch Erfahrungen mit nationalsozialistischer Gewalt, Hunger und Kriegsgräuel geprägt, was sich auch in der Gestaltung der Kapelle widerspiegelt.
Die Edith-Stein-Kapelle als Ort der Gemeinschaft
Die Grundsteinlegung der Edith-Stein-Kapelle fand am 12. Mai 1992 statt, und sie wurde von Bewohnern unter der Leitung des Architekten Fritz Lill erbaut. Der Altarstein stammt aus der Ukraine, während ein weiterer Stein aus Auschwitz-Birkenau stammt. Diese Elemente verleihen der Kapelle eine besondere historische Tiefe und machen sie zu einem Ort der Erinnerung und des Gebets. In der Apside sind Sätze über Nächstenliebe und Gastfreundschaft zu finden, die die Besucher in ihrer Spiritualität und ihrem Alltag begleiten.
Die Kapelle dient nicht nur als Ort der Andacht, sondern auch als Raum für Gemeinschaft, Geborgenheit und Stille. Sie ist ein lebendiger Teil des Stadtteils und ein Zeichen für die vielen sozialen Projekte, die aus der Jugendarbeit von Bruder Lukas hervorgegangen sind, wie die humanitären Hilfsgütertransporte nach Polen, in die Ukraine und in Roma-Siedlungen in der Ost-Slowakei. Diese Transporte begannen vor dem militärischen Konflikt 2022 und zeigen das Engagement der Gemeinde für die Menschen in Not.
In der heutigen Zeit, am 7. März 2026, bleibt die Edith-Stein-Kapelle ein wichtiger Anlaufpunkt für die Menschen in Köln-Bilderstöckchen. Sie verkörpert das Erbe von Bruder Lukas Ruegenberg und die Werte, die er in seiner Arbeit vermittelt hat. Ein Ort, an dem Kunst, Gedenken und Gemeinschaft zusammenkommen, und der auch in Zukunft Generationen inspirieren wird. Weitere Informationen über Bruder Lukas Ruegenberg und seine Visionen können auf kellerladen-ev.de und edith-stein.eu nachgelesen werden.