In Köln, und insbesondere im Stadtteil Mülheim, hat die Beratungsstelle „Wendepunkt“ der Diakonie Michaelshoven alarmierende Zahlen zur häuslichen Gewalt veröffentlicht. Die Leiterin, Marina Walch, hebt hervor, wie wichtig es ist, dieses Thema offen zu besprechen. Im Jahr 2025 wurden in der Frauenberatungsstelle und dem Gewaltschutzzentrum in Mülheim insgesamt 710 Beratungsfälle verzeichnet. Dies stellt einen Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar. Besonders besorgniserregend ist, dass 94 Prozent der Betroffenen Frauen sind. Zudem wurden 309 Fälle direkt durch die Polizei vermittelt, während auch Institutionen wie Jugendämter Fälle an die Beratungsstelle weiterleiten.

Ein zentraler Punkt, den Walch anspricht, ist die Herausforderung, dass viele Betroffene aufgrund von emotionalen Belastungen oder Sprachbarrieren kaum aufnahmefähig sind, wenn sie von der Polizei gefragt werden, ob sie Beratung wünschen. Aus diesem Grund fordert der Wendepunkt eine verpflichtende Vermittlung von Betroffenen, um sicherzustellen, dass mehr Menschen die notwendige Unterstützung erhalten. Eine erschreckende Zahl ist, dass in 57 Prozent der Fälle minderjährige Kinder im Haushalt der Betroffenen leben. Insgesamt waren 715 Kinder und Jugendliche von häuslicher Gewalt betroffen, wobei nur 60 Fälle in der Kinder- und Jugendberatung direkt unterstützt werden konnten.

Formen der häuslichen Gewalt

Häusliche Gewalt ist nicht nur ein lokales, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, das in verschiedenen Formen auftritt. Dazu zählen körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt gegenüber Partnern, Kindern oder anderen Familienmitgliedern im gemeinsamen Haushalt. Die häufigsten Formen sind Drohungen, Einschüchterungen und Demütigungen sowie körperliche Gewalt in Form von Schlägen, Tritten oder sogar Mord. Auch soziale Isolation und finanzielle Kontrolle sind weit verbreitete Strategien, um Kontrolle über die Betroffenen auszuüben. Diese Gewalt verstößt nicht nur gegen grundlegende Menschenrechte, sondern hat auch weitreichende psychologische Folgen für die Opfer, die oft Scham und Schuld empfinden, was sie daran hindert, Hilfe zu suchen.

Statistische Daten zeigen, dass etwa jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexuelle Gewalt in einer Partnerschaft erlebt. Doch auch Männer, Kinder und Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen oder in einer Transition sind, sind betroffen. Die Beratungsstelle unterstützt alle Betroffenen unabhängig von geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung und bietet einen sicheren Raum, um aus akuten Gefahren einen Ausweg zu finden.

Der Hilferuf aus Mülheim

Die Zunahme an Wiederholungsfällen, bei denen es innerhalb eines Jahres mehrfach zu Polizeieinsätzen kam, zeigt, dass das Hilfesystem an seine Grenzen stößt. Besonders in den Bereichen Stalking-Beratung und Kinder- und Jugendberatung ist die Unterstützung unzureichend. Im Jahr 2025 wurden 68 Fälle von Stalking gezählt, was einen Anstieg von 20 Fällen im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Der Wendepunkt hat derzeit lediglich 1,8 Vollzeitstellen für die akute Beratung, was von vielen als unterfinanziert angesehen wird. Walch fordert daher mehr Personal und Ressourcen, um den Betroffenen besser helfen zu können.

Ein weiterer alarmierender Punkt ist die steigende Zahl an Opfern von Partnerschaftsgewalt. Laut dem Bundeslagebild „Häusliche Gewalt“ waren im Jahr 2024 171.069 Personen Opfer von Partnerschaftsgewalt, was einen Anstieg von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Rund 80 Prozent der Opfer sind Frauen, während 77,7 Prozent der Tatverdächtigen Männer sind. Auch die digitale Gewalt nimmt zu, was die Situation für viele Betroffene zusätzlich erschwert.

In Köln sind die Hilfsangebote wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (116 016) oder das Männerhilfetelefon (0800 1239900) wichtige Anlaufstellen für Betroffene. Die Beratungsstelle „Wendepunkt“ in Mülheim leistet einen unverzichtbaren Beitrag, doch es ist klar, dass mehr Unterstützung benötigt wird, um die steigenden Zahlen in den Griff zu bekommen. Häusliche Gewalt ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches, das alle angeht. Es ist an der Zeit, dass wir gemeinsam handeln und Betroffenen die Hilfe zukommen lassen, die sie benötigen.

Quelle: ksta.de

Quelle: diakonie-michaelshoven.de

Quelle: bka.de