Am 26. Februar 2026 feierte der Kölner Heinz Pötter seinen 100. Geburtstag in Dellbrück, umgeben von Familie und engen Freunden im Brauhaus. Pötter, ein echter „Kölscher Jung“, der fast sein ganzes Leben in Köln verbracht hat, wurde in Mülheim geboren und lebt seit Oktober 1955 in seiner Dellbrücker Wohnung. Trotz seiner gesundheitlichen Herausforderungen, darunter eine Halskrankheit und eine schwere Herzkrankheit, blickt er dankbar auf sein Leben zurück. Besonders die Überwindung des Krieges hat ihn geprägt und ihm eine neue Perspektive auf das Leben gegeben.
Pötter wuchs in Mülheim auf und begann mit 14 Jahren eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Sein beruflicher Werdegang wurde jedoch durch den Krieg unterbrochen, als er 1944 in den Arbeitsdienst und später als Soldat einberufen wurde. Während seines Kriegsdienstes führte ihn sein Weg über Ostpreußen und Ungarn zurück nach Mülheim. Nach dem Krieg fand er zunächst keinen Job als Industriekaufmann und entschied sich für eine Laufbahn bei der Polizei, wo er sowohl bei der Schutzpolizei als auch bei der Kriminalpolizei tätig war. In dieser Zeit setzte er sich für Gerechtigkeit ein und nahm einige Täter fest. Zudem gründete er eine Tischtennisabteilung, die seine Leidenschaft für diesen Sport widerspiegelt.
Ein Leben voller Musik und gemeinsamer Erinnerungen
Heinz Pötter ist ein großer Liebhaber klassischer Musik, insbesondere von Opern und Klavierkonzerten von Beethoven. Seine Frau Ruth, die er 1950 beim Tischtennis kennenlernte, war ein wichtiger Teil seines Lebens. Ihr Tod im Jahr 2017 stellte für ihn einen tiefen Einschnitt dar, doch die Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre geben ihm Kraft. Pötter sieht seinen gesunden Lebensstil, geprägt von Mäßigung – er war nur einmal betrunken und raucht nicht – als einen der Gründe für sein hohes Alter.
In Köln ist die Geschichte des Krieges und der Gewalt stets präsent. Die Stadt hat eine Datenbank entwickelt, die Informationen zu rund 13.300 Personen erfasst, die als „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ gelten. Diese Datenbank, die auch Angaben zu anonymen Bestattungen enthält, ist Teil der Bemühungen, das Gedächtnis an die Opfer zu bewahren. Das Gräbergesetz von 1965 trat in Kraft, um die Erinnerung an diese Menschen zu sichern und die Pflege der Kriegsgräber auf 44 Friedhöfen in Köln zu organisieren. Leider können Anfragen von Angehörigen oft nicht beantwortet werden, da viele Einträge in den Gräberlisten lückenhaft sind.
Das NS-Dokumentationszentrum und seine Bedeutung
Ein wichtiger Ort des Gedenkens in Köln ist das NS-Dokumentationszentrum, das am 13. Dezember 1979 gegründet wurde. Es ist die größte lokale Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland und befindet sich im EL-DE-Haus, einst die Zentrale der Kölner Gestapo. Dort wurden in den letzten Kriegsmonaten viele Menschen, insbesondere ausländische Zwangsarbeiter, hingerichtet. Heute beherbergt das Zentrum eine Dauerausstellung, die verschiedene Aspekte des Lebens während der NS-Zeit behandelt, darunter Machtergreifung, Widerstand und Verfolgung.
Das NS-Dokumentationszentrum engagiert sich nicht nur für die Aufarbeitung der Geschichte, sondern bietet auch Bildung und Veranstaltungen an, um gegen Rechtsextremismus zu sensibilisieren. Durch Forschungsprojekte zu Themen wie jüdischer Geschichte und Zwangsarbeit wird versucht, das Bewusstsein für die NS-Vergangenheit der Stadt zu schärfen und das Gedenken an die Opfer lebendig zu halten.
Heinz Pötters Leben, das von den Schatten des Krieges und der Liebe zur Musik geprägt ist, erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Geschichte zu bewahren und die Lehren daraus zu ziehen. Sein 100. Geburtstag ist nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch eine Gelegenheit, innezuhalten und die Werte von Gerechtigkeit, Mitgefühl und Erinnerung hochzuhalten. Weitere Informationen dazu finden sich in dem Artikel von Kölner Stadt-Anzeiger, der die bewegende Lebensgeschichte von Heinz Pötter festhält.