Die Schließung des Kölner Großmarkts in Raderberg nach 85 Jahren hat die Handelslandschaft in der Domstadt stark verändert. Mit dem Ende des traditionellen Großmarkts zum Jahreswechsel mussten viele Händler neue Standorte suchen, was nicht immer einfach war. Viele von ihnen sind nun in der Stadt verstreut, während sich das ABA-Frischezentrum in Gremberghoven als neues, kleineres Zentrum etabliert hat. In diesem neuen Zentrum arbeiten derzeit zwölf Händler, die die Tradition des Großmarkts fortführen. Es befindet sich im Airport-Business-Park an der Frankfurter Straße und bietet auf einer Fläche von 9300 Quadratmetern eine große Auswahl an frischen Produkten.

Die Halle im ABA-Frischezentrum ist provisorisch eingerichtet und mit Paletten voller Obst, Gemüse und Kartoffeln ausgestattet. Die Händler investierten etwa drei Millionen Euro in die Inneneinrichtung, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Zu den angebotenen Waren zählen nicht nur Kartoffeln und Kräuter, sondern auch exotische Früchte und verpacktes Fleisch. Der Großteil der ehemaligen Kunden des alten Großmarkts hat sich mittlerweile an das neue Frischezentrum gewöhnt, und Händler wie Mario Winkler, der täglich 200 Artikel im Frischezentrum kauft, betreiben mittlerweile Marktstände in mehreren Stadtteilen.

Herausforderungen und Veränderungen

Vor der Schließung des Kölner Großmarkts waren etwa 180 Händler mit rund 2000 Mitarbeitenden aktiv. Kurz vor Weihnachten meldeten jedoch viele Händler Insolvenz an oder liquidierten ihre Firmen, und nur noch etwa 50 Händler waren übrig. Die Suche nach neuen Standorten gestaltete sich als schwierig, da spezielle Genehmigungen für den Großhandel erforderlich sind. Einige Händler konnten sich erfolgreich neu aufstellen, wie beispielsweise Früchte Heep, das sich im Blumengroßmarkt in Riehl niedergelassen hat. Zudem haben sich sechs weitere Großhändler zum Frischezentrum Köln-Nord in Merkenich zusammengeschlossen. Trotz dieser Bemühungen bleibt die Situation angespannt, da die Händler auf eine Verlängerung der Pachtverträge gehofft hatten. Nevzat Taşkıran, ein erfahrener Großmarkthändler, versuchte, einen gemeinsamen Umzug zu organisieren, aber viele Händler blieben passiv.

Auf dem Gelände des ehemaligen Großmarkts soll nun ein Wohn- und Büroviertel namens Parkstadt Süd entstehen. Während die Stadt Köln den Händlern einen nahtlosen Umzug versprach, scheiterten mehrere Versuche, ein neues Großmarktgelände zu etablieren. Bei einer europaweiten Ausschreibung meldete sich niemand, der bereit war, einen neuen Großmarkt zu betreiben. Die ursprünglich angedachte Fläche für den neuen Großmarkt wurde verkleinert, was das Risiko für potenzielle Betreiber zusätzlich erhöhte. Einige Händler, einschließlich Taşkıran, haben zwar eine Halle im Rechtsrheinischen angemietet, jedoch wird dieser Standort nicht als wirklicher Ersatz für den bisherigen Großmarkt angesehen, da die Auswahl insgesamt kleiner bleibt.

Der Kölner Großmarkt: Ein wichtiger Teil der Stadt

Der Kölner Großmarkt, der 1940 fertiggestellt wurde, war über Jahrzehnte ein Zentrum für frische Produkte, Feinkost und exotische Spezialitäten. Er bediente die Metropolregion Köln/Bonn mit etwa 3,6 Millionen Einwohnern und war ein unverzichtbarer Bestandteil der Daseinsvorsorge. Rund 180 Unternehmen und 2.000 Beschäftigte waren hier tätig, und täglich wurden frische Produkte an Wochenmärkte, Lebensmittelläden, Restaurants und Straßenhändler geliefert. Jährlich wurden etwa 1,2 Millionen Tonnen Ware umgeschlagen, auch im Direktvertrieb an andere Abnehmer in Deutschland.

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Obwohl der Großmarkt viele traditionsreiche Familienunternehmen beherbergte und die kulturelle Vielfalt der Stadt widerspiegelte, ist die Zukunft ungewiss. Die Interessengemeinschaft Kölner Großmarkt e.V. setzt sich weiterhin für den Erhalt des Großmarkts ein, doch die städtischen Planungen, einschließlich der Parkstadt Süd und der Nord-Süd Stadtbahn, belasten die Situation zusätzlich. Der Beschluss von 2007 zur Verlagerung des Großmarkts nach Marsdorf wurde bisher nicht umgesetzt, und die Händler stehen vor der Herausforderung, ihren Platz in einer sich verändernden Stadt zu finden. Weitere Entwicklungen werden mit Spannung erwartet.

Für mehr Informationen zu den Veränderungen am Kölner Großmarkt und den neuen Entwicklungen in der Stadt, lesen Sie die vollständigen Berichte auf ksta.de, wdr.de und koelner-grossmarkt.de.