Heute ist der 10.04.2026 und im Herzen von Köln, genauer gesagt im Humboldt Forum, erwartet die Besucher eine einzigartige dialogische Führung durch das Ethnologische Museum. Diese Führung bietet einen spannenden Einblick in verschiedene Sammlungsbereiche, die unter anderem Afrika, Ozeanien sowie Nord-, Zentral- und Südamerika umfassen. Besonders hervorzuheben sind die Themen der Führung, die sich mit der Restitution der Benin-Bronzen an Nigeria, dem Zusammenhang zwischen historischen Booten aus Ozeanien und dem globalen Klimawandel sowie der Provenienzforschung am Beispiel von Cultural Belongings aus Namibia beschäftigen. Besucher können sich auf eine Präsentation zeitgenössischer Kunst freuen, die zusammen mit historischen Objekten präsentiert wird, und erfahren mehr über aktuelle Projekte des Kollaborativen Museums mit globalen Partner*innen und der Berliner Stadtgesellschaft. Ein wichtiger Aspekt der Führung ist die Thematisierung der Konsequenzen des Kolonialismus bis in die Gegenwart.
Die interaktiven Elemente der Führung, darunter Tastobjekte, Film- und Medienstationen sowie ein Hörraum mit „Klängen der Welt“, machen den Besuch besonders eindrucksvoll. Diese Erlebnisse sind nicht nur lehrreich, sondern regen auch zum Nachdenken über die komplexen Zusammenhänge von Geschichte und Gegenwart an. Weitere Informationen zur Führung finden Sie auf der Website des Humboldt Forums hier.
Die Benin-Bronzen und ihre Geschichte
Ein zentrales Thema der Führung sind die Benin-Bronzen, historische Kunstschätze, die bis 1897 im Palast des Königreichs Benin waren. Außenministerin Annalena Baerbock übergab kürzlich 20 dieser wertvollen Objekte in Abuja, Nigeria. Diese Kunstwerke sollen in einem neuen Museum ausgestellt werden, an dessen Bau Deutschland beteiligt sein möchte. Allerdings hat Nigeria andere Pläne für die Benin-Bronzen, die weltweit in Museen verteilt sind, insbesondere in Europa und den USA. Die Benin-Bronzen umfassen Reliefs, Plastiken und Tafeln mit verschiedenen Motiven, die Menschen, Tiere und Ahnendarstellungen zeigen und einige der Objekte stammen bereits aus dem 16. Jahrhundert.
Die Benin-Bronzen wurden während einer britischen Strafexpedition 1897 geraubt, als das Königreich Benin erobert und der Palast geplündert wurde. Tausende dieser Kunstwerke wurden nach Europa verschifft und viele von Sammlern, wie William D. Webster, aufgekauft. Ab den 1960er-Jahren fordern afrikanische Länder die Rückgabe dieser Kulturgüter, die während der Kolonialzeit entwendet wurden. In Deutschland wurde am 1. Juli 2022 eine Erklärung zur Rückgabe der Benin-Bronzen unterzeichnet, und verschiedene Bundesländer sowie Städte haben Vereinbarungen zur Eigentumsübertragung getroffen. So wurden in Hamburg beispielsweise 179 Bronzen mit einem Schätzwert von 60 Millionen Euro zurückgegeben. Einige Stücke bleiben jedoch als Leihgaben in deutschen Museen.
Der Weg zur Restitution
Die Rückgabe der Benin-Bronzen hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, besonders im Kontext der ehemaligen Kolonialgeschichte. Ende März 2023 übertrug der nigerianische Staatspräsident Muhammadu Buhari die Eigentumsrechte an den Benin-Bronzen an den amtierenden Oba von Benin. Dabei bestätigte Baerbock, dass die Rückgabe der Benin-Bronzen ohne Bedingungen erfolgte. Die zukünftige Verwendung der Kunstwerke ist eine innernigerische Angelegenheit, die mit der neuen Regierung geklärt werden soll. Kritiker der Restitution weisen jedoch auf die Sklavenhandelpraktiken des Königreichs Benin hin und fordern eine differenzierte Diskussion über die Rückgabe von Kulturgütern.
Die Diskussion um die Benin-Bronzen und ihre Rückgabe ist Teil eines größeren gesellschaftlichen und kulturellen Dialogs über die koloniale Vergangenheit und die Verantwortung der heutigen Gesellschaften. Umso wichtiger ist es, dass Einrichtungen wie das Humboldt Forum solche Themen aufgreifen und in ihren Programmen behandeln. Weitere Informationen zur aktuellen Situation der Benin-Bronzen finden Sie in einem tiefgehenden Artikel auf Deutschlandfunk Kultur.