In den letzten Jahren hat die Innovationskraft in Deutschland spürbar nachgelassen. Besonders die industriellen Kernbranchen kämpfen, während wissensintensive Dienstleistungen und die IT-Wirtschaft zunehmend die Rolle der technologischen Vorreiter übernehmen. Ein Bericht der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass grundlegende Neuerungen seltener werden und Unternehmen sich stattdessen auf schrittweise Produkt- und Prozessverbesserungen konzentrieren. Die digitale Transformation nimmt Fahrt auf, wobei 70 Prozent der befragten Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen in ihren Prozessen nutzen. Ein Viertel dieser Unternehmen setzt diese Technologien sogar intensiv ein. Dennoch bleibt die Anwendung komplexer Deep-Tech- und anspruchsvoller Green-Tech-Anwendungen rar. Fortschritte in der Kreislaufwirtschaft und bei nachhaltigen Materialien sind zwar sichtbar, jedoch fehlt es an einer breiten Anwendung.[1]

Die Bedeutung digitaler Schlüsseltechnologien, insbesondere der Künstlichen Intelligenz, wächst stetig. Diese Technologien sind nicht nur hochvernetzt und automatisiert, sondern werfen auch ethische und gesellschaftliche Fragen auf. Angesichts des internationalen Wettbewerbs, insbesondere durch die USA und China, steigt der Handlungsdruck auf Deutschland und Europa. Trotz der starken Grundlagenforschung, die 2023 über drei Prozent des Bruttoinlandprodukts in Forschung und Entwicklung investiert, bleibt die Herausforderung bestehen, wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Produkte umzusetzen. Dieses Phänomen ist als „European Paradox“ bekannt. Um die Innovationskraft zu stärken, müssen Förderlogiken überdacht werden, da sie entscheidend für den Transfer von Forschungsergebnissen in den Markt sind.[2]

Strategien zur Verbesserung der Innovationskraft

Die Bundesregierung hat eine umfassende KI-Strategie ins Leben gerufen, um die Rahmenbedingungen für Deutschland und Europa zu verbessern und eine Spitzenposition in der Künstlichen Intelligenz zu erreichen. Jährliche Investitionen von 500 Millionen Euro aus Bundeshaushalten zwischen 2019 und 2021 sowie zusätzlich 2 Milliarden Euro aus dem Konjunktur- und Zukunftspaket belegen das Engagement. Der KI-Aktionsplan identifiziert elf Handlungsfelder mit dringendem Bedarf und fördert unter anderem Kompetenzzentren für KI-Forschung. Diese sollen den Austausch und die Sichtbarkeit erhöhen und die nationale Hochleistungsrecheninfrastruktur weiter ausbauen.[3]

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Start-ups, um den Transfer in neue Geschäftsmodelle zu beschleunigen. Ein Konsultationsprozess zur Erarbeitung von Förderrichtlinien, der vom 2. bis 23. März stattfand, zielt darauf ab, Bedürfnisse und Hindernisse für Innovationen zu identifizieren. Die Ergebnisse dieser Konsultation werden in die Förderrichtlinien einfließen, die in der zweiten Jahreshälfte 2026 veröffentlicht werden sollen.

Insgesamt zeigt sich, dass die Innovationsstärke in Deutschland gestaltbar ist. Unternehmen mit klaren Innovationsstrategien, gezielter Kooperation und systematischen Investitionen in Kompetenzen erzielen messbare Fortschritte, unabhängig von ihrer Größe. Um in der globalen Wettbewerbslandschaft bestehen zu können, ist es entscheidend, die Innovationskraft durch strategische Maßnahmen und Investitionen zu stärken.