In Ehrenfeld stehen Veränderungen an, die nicht nur für die dort ansässige Künstlergemeinschaft von Bedeutung sind. In der Kolbhalle, einem Ort, der seit 1989 als kreatives Zentrum dient, müssen die Künstler sich den Realitäten des Marktes anpassen. Investor Yves Netz, der das Grundstück 2017 erwarb, drängt auf einen Abriss der Kolbhalle bis Ende Februar. Geplant ist der Bau eines fünfgeschossigen Gebäuderiegel mit 30 Eigentumswohnungen, 30 Mietwohnungen und einer Kita. Die Künstler, die in der Kolbhalle leben und arbeiten, müssen nun umziehen, was sich als eine große Herausforderung darstellt.

Marcus Krips, ein Mitglied der Künstlergemeinschaft, hat in einem alten Atelier der Kolbhalle einige seiner frühen Arbeiten aus dem Jahr 1983 entdeckt. Diese Werke, auf Zeitungspapier des „Kölner Stadt-Anzeiger“ erstellt, sind Teil seiner künstlerischen Identität. Angesichts des bevorstehenden Umzugs ist es unklar, ob er seine Graffiti-Arbeiten am alten Fabriktor retten kann. Zudem hat sich in der Kolbhalle eine große Menge an Kunst und Materialien angesammelt, die nun gesichert werden müssen. Während des Umzugs haben die Künstler einen Mietvertrag unterzeichnet, der dreimal so hoch ist wie der vorherige, was die finanzielle Belastung erhöht.

Der Umzug und neue Perspektiven

Die Künstlergemeinschaft zieht in das Verwaltungsgebäude und die Halle nebenan um. Ziel ist es, den Teil des Kolb-Geländes, den sie beziehen, schnellstmöglich zu kaufen, um die Miete in den Umbau zu investieren. In den neuen Räumlichkeiten wird es kreative Möglichkeiten geben, wie etwa ein Tonstudio und ein Kunst-Café. Die neue Kolbhalle umfasst etwa 650 Quadratmeter, und die Künstler planen bereits Ausstellungen, wenn auch vorerst keine Partys. Unterstützung erhalten sie dabei von Freunden und Verwandten, die bei der Modernisierung des alten Verwaltungsgebäudes in Bezug auf den Brandschutz helfen.

Die Kölner GRÜNEN haben unterdessen Anträge im Liegenschaftsausschuss gestellt, um die Kulturszene in Ehrenfeld zu stärken und wichtige Grünflächen zu sichern. Dazu gehört auch der Antrag auf den Ankauf der Kolbhalle, die seit Jahren von Künstlerinnen genutzt wird. Langfristig soll eine kulturelle Nutzung gesichert und der Fortbestand des Vereins „Wir Selbst e.V.“ gewährleistet werden. Diese Initiative wird bekräftigt durch einen Ratsbeschluss aus 2017 und zeigt, wie wichtig die kulturelle Entwicklung in Ehrenfeld ist. Weitere Anträge betreffen den Ankauf einer Kleingartenfläche, die als Grünfläche für die Öffentlichkeit gesichert werden soll. Gemeinsam mit anderen Fraktionen, wie Volt und der CDU, setzen sich die GRÜNEN für die kulturelle und grüne Zukunft des Stadtteils ein.

Kultur und Kunst in Köln

Köln hat sich über die Jahre zu einem Zentrum für Kunst und Kultur entwickelt. Die Art Cologne, die 1967 begann und international seit 1984 anerkannt ist, zeigt bis zu 200 Galerien aus aller Welt und findet jährlich in der Koelnmesse statt. Auch die DC Open Gallery und die Kunstinitiativen Kölner Raum bieten Plattformen für Künstlerinnen und kreative Projekte. Insbesondere in Ehrenfeld gibt es zahlreiche Initiativen, wie die Moltkerei Werkstatt und das Atelierzentrum Ehrenfeld (AZE), die junge Künstler unterstützen und Raum für Ausstellungen bieten.

Die Stadt hat sich als ein Ort etabliert, an dem Kreativität und Innovation florieren. Veranstaltungen wie die Kunstroute Ehrenfeld, bei der zahlreiche Künstler*innen ihre Räume öffnen, und die Street-Art-Szene mit beeindruckenden Wandbildern machen den Stadtteil zu einem lebendigen Kunstort. Inmitten dieser dynamischen Entwicklung stellt die Zukunft der Kolbhalle eine wichtige Weiche für die Kölner Kunstszene dar und zeigt, wie notwendig es ist, kulturelle Räume zu erhalten und zu fördern. Für die Künstlergemeinschaft und alle Kunstinteressierten bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und welche neuen Möglichkeiten sich aus dem Umzug ergeben.

Für weitere Informationen zu den Anträgen der GRÜNEN im Kölner Rat, besuchen Sie bitte diese Seite. Zudem finden Sie mehr über die aktuelle Situation in der Kolbhalle in einem Artikel des Kölner Stadt-Anzeiger unter diesem Link.