Heute ist der 27.02.2026 und die Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland nimmt immer konkretere Formen an. Während die Bundesregierung über verschiedene Modelle diskutiert, sind die Stimmen junger Menschen, die von den Entscheidungen direkt betroffen sind, laut und klar. Daniela Broda, die Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings, kritisiert die Bundesregierung dafür, junge Menschen lediglich als Ressource zu betrachten und sich nicht mit den Herausforderungen auseinanderzusetzen, vor denen sie stehen. Broda spricht sich entschieden gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht aus und hebt hervor, dass junge Menschen bereits einen erheblichen Beitrag zum Gemeinwohl leisten, während gleichzeitig psychische Belastungen und Zukunftssorgen zunehmen.
Die Notwendigkeit, den Bedarf an Soldaten zu decken, wird von Militärhistoriker Sönke Neitzel und Thomas Röwekamp (CDU), dem Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses im Bundestag, unterstrichen. Neitzel bezeichnet den Gesetzentwurf von Verteidigungsminister Boris Pistorius als Schritt in die richtige Richtung, sieht ihn aber auch als Dokument des Zögerns. Röwekamp fordert eine flächendeckende Musterung und die Festlegung von Kriterien für den Einzug, um die angestrebte Truppenstärke von 260.000 aktiven Soldaten und 200.000 Reservisten zu erreichen.
Die aktuelle Lage der Bundeswehr
Zurzeit leisten etwa 182.000 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst in der Bundeswehr. Die Wehrpflicht und Musterung sind in Deutschland seit 2011 ausgesetzt. Verteidigungsminister Pistorius plant die Einführung eines neuen freiwilligen Wehrdienstes, während er und Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer ein Losverfahren zur Musterung ablehnen und stattdessen eine flächendeckende Musterung fordern. Im Koalitionsausschuss gibt es jedoch Streit über den neuen Wehrdienst, während eine Einigung bis Ende der Woche angestrebt wird. Am 3. Dezember soll eine Empfehlung im Ausschuss abgegeben werden, mit dem Ziel, das Gesetz idealerweise zwei Tage später im Bundestag zu beschließen.
Ein Kompromissvorschlag, der ein Losverfahren für die Musterung vorsah, scheiterte Mitte Oktober. In einer Forsa-Umfrage gaben 75% der Deutschen an, ein Losverfahren beim Wehrdienst als ungerecht zu empfinden. Broda und der Bundesjugendring sprechen sich im Allgemeinen gegen die Wehrpflicht aus und fordern eine differenzierte Betrachtung der Situation junger Menschen.
Politische Positionen und Ausblick
Die Meinungen innerhalb der Koalition sind gespalten. Während die Union einen Automatismus zur Wehrpflicht bei unzureichenden Freiwilligen fordert, setzt Pistorius auf Freiwilligkeit zur Rekrutierung von Soldaten. Wüstner, der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, plädiert ebenfalls für die Verankerung einer Bedarfswehrpflicht im Gesetz. Die Herausforderungen, vor denen die Politik steht, sind vielschichtig, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion in den kommenden Wochen entwickeln wird.
Insgesamt zeigt sich, dass die Jugend in der Diskussion um die Wehrpflicht und den Wehrdienst nicht nur als passive Empfänger von politischen Entscheidungen gesehen werden sollte, sondern als aktive Mitgestalter ihrer Zukunft. Der Dialog zwischen Politik und jungen Menschen ist unerlässlich, um Lösungen zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der Gesellschaft als auch den Belangen der Jugend gerecht werden.