Im Kölner Stadtteil Roggendorf-Thenhoven tut sich einiges: Ein neues Neubaugebiet südlich der Baptiststraße entsteht, das die Nachbarschaft mit fast 100 Einfamilienhäusern, darunter Reihen- und Doppelhäuser, sowie 267 Wohneinheiten in Geschossbauten bereichern wird. Die Vorfreude auf die neuen Nachbarn ist groß, doch es gibt auch Stimmen, die sich mit den geplanten Straßenbenennungen nicht anfreunden können. Im September 2025 beschloss die Bezirksvertretung Chorweiler, die neuen Straßen nach geographischen Landmarken und heimischer Vegetation zu benennen. Geplante Namen wie „Felsenbirnenweg“, „Wasserschneeballweg“ und „An der Pletschbachhecke“ sollen den Charakter der Umgebung widerspiegeln.
Doch nicht alle Anwohner sind mit diesen Benennungen zufrieden. Besonders Ingrid Scheller, eine engagierte Bürgerin der Gemeinde, hat einen Vorschlag, der auf Zustimmung stößt: Sie möchte eine Straße nach Willy Förster benennen, einem langjährigen Organisten, Chor- und Orchesterleiter, der 1998 verstorben ist. Förster war über 45 Jahre in Roggendorf-Thenhoven aktiv und trug entscheidend zum Zusammenhalt der Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg bei. 1929 ließ er sich in der Gegend nieder und gründete zahlreiche Chöre, organisierte Benefizkonzerte, wie nach dem Brandanschlag auf die Volksschule 1964, und prägte somit das kulturelle Leben vor Ort nachhaltig.
Ein Aufruf zur Diskussion
Die Unterstützung für eine erneute Diskussion über die Straßenbenennungen wächst in der Gemeinde. Auf der Jahresversammlung des Bürgervereins sprach man sich klar für eine neue Benennung aus. Ingrid Scheller hat bereits Unterschriften für eine Bürgereingabe gesammelt, die in der Bezirksvertretung verhandelt werden soll. Diese Benennung könnte in einer der kommenden Sitzungen des Gremiums erneut zur Sprache kommen und es bleibt abzuwarten, wie die Entscheidung ausfallen wird.
Die Debatte um die Straßenbenennung spiegelt nicht nur die Verbundenheit der Anwohner mit ihrer Heimat wider, sondern zeigt auch, wie wichtig es ist, die Geschichte und das kulturelle Erbe einer Gemeinde zu bewahren. Willy Försters Engagement für die Dorfgemeinschaft und seine Rolle als musikalische Instanz sind unvergessen und könnten durch eine Straße zu seinen Ehren auch für zukünftige Generationen sichtbar gemacht werden.
Es bleibt spannend, wie sich die Diskussion entwickeln wird und ob die Stimmen der Bürger Gehör finden. Das Neubaugebiet wird nicht nur neue Bewohner anziehen, sondern auch die Fragen aufwerfen, wie wir unsere Umgebung und deren Geschichte würdigen können. Der Gedanke, die Erinnerung an Persönlichkeiten wie Willy Förster lebendig zu halten, könnte der Schlüssel zu einer harmonischen und kulturell bereichernden Nachbarschaft sein.