In Bickendorf, einem Stadtteil von Köln, sorgt das Schulbauprojekt auf dem Gelände des Lindweiler Hofs für hitzige Diskussionen unter den Anwohnern. Eine Sondersitzung der Ehrenfelder Bezirksvertretung hat zwar einige geringfügige Änderungen beschlossen, doch die grundlegenden Planungen bleiben unverändert. Die Bickendorfer Bevölkerung äußert Bedenken hinsichtlich der möglichen Veränderung ihres Veedels und der damit verbundenen Verkehrsprobleme. Besonders umstritten ist die angestrebte Schülerzahl von 1000, die von der Verwaltung und Politik nicht unterstützt wird. Wolfgang Stöcker, der Sprecher der Schulbau-Kritiker, kündigte an, dass die Initiative zur Reduzierung der Schülerzahl auf 600 fortgesetzt wird. Zudem wurde die WDR-Lokalzeit erneut zur Berichterstattung eingeladen.

Im Kontext der aktuellen Entwicklungen um den Lindweiler Hof, erhellen die Nachforschungen von Uli Voosen und Michael Schmitz die Geschichte des Anwesens. Julius Harff, ein einflussreicher jüdischer Kaufmann, erwarb das Gut um 1840 und ließ das denkmalgeschützte Herrenhaus errichten. Er war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann mit über 1000 Hektar Land, sondern auch ein bedeutendes Mitglied der Gemeinde Müngersdorf. Harff unterstützte die jüdische Gemeinschaft in Köln, unter anderem durch den Umzug des jüdischen Lehrerseminars nach Köln-Ehrenfeld im Jahr 1874. Tragisch endete sein Leben 1876, als er wegen Meineids verurteilt wurde und in Haft starb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände zum Zentrum der Kölner Synagogengemeinde, doch 1937 erlebte das Anwesen die „Arisierung“ und die Enteignung seiner rechtmäßigen Eigentümer.

Kontroversen um die Schulbaupläne

Die Pläne der Stadt Köln sehen den Bau einer neuen Gesamtschule mit Kapazitäten für 1000 Schüler*innen und einer Kita am ehemaligen Standort der Förderschule Lindweilerhof vor. Diese Förderschule war am 14.07.2021 durch Hochwasserflut beschädigt worden, und ihr Abriss fand im November 2024 statt. Die Diskussionen über die neuen Bauprojekte sind vor Ort sehr kontrovers, da auch die Generalsanierung des Montessori Gymnasiums Ossendorf auf Widerstand stößt. Die neue Gesamtschule soll interimistisch für das Montessori Gymnasium genutzt werden, was ebenfalls zu Spannungen führt.

Die Anwohner fordern eine „sensible Bebauung“ des Lindweiler Hofs, die die Geschichte des Ortes berücksichtigt. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz hat die aktuellen Planungen kritisiert, da sie das denkmalgeschützte Herrenhaus beeinträchtigen könnten. Auch sie plädieren für eine maximale Schülerzahl von 700, um die Sichtbeziehungen zur benachbarten St. Rochus-Kirche zu erhalten.

Jüdisches Leben in Köln

Im weiteren Kontext der Geschichte des Lindweiler Hofs und der jüdischen Gemeinschaft in Köln ist das Projekt SHALOM COLOGNE von großer Bedeutung. Es fokussiert auf die historische Rolle Kölns als „Wiege“ jüdischen Lebens in Deutschland und ermutigt Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zur Spurensuche in ihren Städten. Ziel ist es, jüdisches Leben in den Unterricht zu integrieren und Respekt sowie Toleranz zu fördern. Die Webseite www.shalom-cologne.de bietet vielfältige Informationen zu 1.700 Jahren jüdischen Lebens in Köln und hat sich als wertvolle Ressource etabliert.

Die Initiative, die auch als Teil des bundesweiten Festjahres #2021JLID ins Leben gerufen wurde, betrachtet die jüdische Gemeinde in Köln als die älteste nördlich der Alpen. Sie lädt dazu ein, die jüdische Geschichte und Identität in Köln zu entdecken und aktiv daran mitzuwirken, ein offenes und respektvolles Miteinander zu fördern. In einer Zeit, in der das Verständnis für die eigene Geschichte und die der anderen von entscheidender Bedeutung ist, zeigt sich, wie wichtig es ist, diese Themen sichtbar zu machen.

Die aktuellen Entwicklungen rund um den Lindweiler Hof werfen nicht nur Fragen zur Schulplanung auf, sondern auch zur Wahrung und Berücksichtigung der reichen Geschichte und der kulturellen Identität des Stadtteils Bickendorf. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird und welche Lösungen gefunden werden, die sowohl den Bedürfnissen der Schüler als auch den Belangen der Anwohner gerecht werden.

Für weitere Informationen und zur Vertiefung der Thematik sei auf die Quelle verwiesen. Auch die Pläne rund um die Schulbauprojekte sind im Rahmen der Stadt Köln ausführlich dokumentiert, während die Initiative SHALOM COLOGNE unter diesem Link weitere Einblicke in die jüdische Geschichte der Stadt bietet.